Darf ich ein von mir gekauften Spiel "tunen", "modden" beziehungsweise allgemein "bearbeiten"?

Hierbei macht es keinen Unterschied, ob ein "vollerwertiges" Videospiel oder ein Client erworben wurde.

Vollwertiges Videospiel

Nein, das Bearbeiten ist gegen den Willen des Publishers nicht gestattet.

Client

Nein, das Bearbeiten ist gegen den Willen des Publishers nicht gestattet.

Für Gamer dürfte es eine Selbstverständlichkeit sein, bei manchen Spielen Spieldateien zu bearbeiten. Beispielsweise bei der ini weitere Desktopauflösungen, z.B. exotische Widescreenformate, einzufügen oder die Grafik, in dem man in "Gothic" die Sichtweite erhöht oder in "Dawn of War" die Texturendetails hochschraubt, aufs Optimum zu bringen. Andere schrauben an Einheitenwerten rum oder erstellen gleich Mods, die dann von weiteren Nutzern installiert werden. Bei der Sache gibt es jedoch einen Harken: Das Bearbeiten des Programms ist ohne Zustimmung des Rechteinhabers illegal:

Der Rechtsinhaber hat das ausschließliche Recht, folgende Handlungen vorzunehmen oder zu gestatten: […] die Bearbeitung […] eines Computerprogramms sowie die Vervielfältigung der erzielten Ergebnisse.

Nach § 69d Abs. 1 UrhG ist der Nutzer zwar unter Umständen dazu berechtigt Bearbeitungen vorzunehmen, soweit sie für eine bestimmungsgemäße Benutzung des Computerprogramms einschließlich der Fehlerberichtigung […] notwendig sind, doch Handlungen, wie sie für das Anfertigen von Modifikationen erforderlich sind, dürften nur schwer unter diese Vorschrift gefasst werden können. In diesen Fällen wird sich der Publisher aber meist nicht an der Bearbeitung stören oder sogar – wie im Fall von „Gothic“ mit der „GothicMOD Lizenz“ – Bearbeitungen unter bestimmten Bedingungen gestatten.

Anders verhält es sich jedoch dann, wenn dem Publisher durch Bearbeitungen Geld entgeht. So bietet beispielsweise der Publisher von "Empire: Total War" Nutzern die Möglichkeit auf Steam mit dem "Special Forces Units & Bonus Content"-Pack für 1,99 € zusätzliche Einheiten zu kaufen. Wie es bei DLCs nicht selten vorkommt sind die jeweiligen Einheiten aber bereits auf den Datenträgern vorhanden, so dass diese - auch ohne dafür Geld auszugeben - durch das Bearbeiten des Programms (Eine Datei ist zu entpacken und ein Eintrag zu löschen) "freigeschaltet" werden können. So etwas stößt beim Publisher naturgemäß auf wenig Gegenliebe, weshalb man hier kaum mit dessen Zustimmung rechnen kann, so dass die Bearbeitung als illegal angesehen werden muss.

HMS Victory
Die ‚HMS Victory‘ als Opfer von Piraterie: Bei Release konnte die kostenpflichtige Einheit durch das Löschen einer Datei freigeschaltet werden.

Auch wenn dieses Ergebnis nicht als allzu überraschend erscheinen mag, ist ein solches Vorgehen bei Hardware zulässig. Anders als bei Software darf der Eigentümer einer Grafikkarte diese ohne Zustimmung des Herstellers manipulieren. Bei Computerchips wird aus Kostengründen oft nur ein Modell gebaut, das dann in verschiedenen Konfiguration mit niedriger, mittlerer oder hoher Leistung verkauft wird. Da es sich aber im Kern um dasselbe Modell handelt kann ein versierter Bastler auch den auf niedrige Leistung getrimmten Chips ihr volles Potential entlocken. (Manchmal genügt schon ein Bleistiftstrich an der richtigen Stelle.) "Geistiges Eigentum" wird also stärker als physisches Eigentum geschützt:

  • Veränderung von Software ist nur mit Zustimmung des Rechteinhabers erlaubt.