Darf ich gekaufte Software vervielfältigen bzw. Kopien erstellen?

Hierbei macht es keinen Unterschied, ob ein "vollerwertiges" Videospiel oder ein Client erworben wurde.

Vollwertiges Videospiel

Ja, unter Umständen eine Sicherheitskopie.

Client

Ja, unter Umständen eine Sicherheitskopie.

Kopie ist nicht gleich Kopie: So gibt es mit der Privatkopie und der Sicherheitskopie zwei Formen erlaubter Kopien, während andere Vervielfältigungen vom Gesetz nicht gedeckt sind.

Sicherheitskopie

Speziell bei Software gibt es eine Regelung, die das Anfertigung einer einzigen Kopie gestattet. Hierbei ist es also nicht so, dass dem Nutzer das Verteilen von Kopien an andere Personen gestattet wäre, sondern dass er alleine für den Fall, dass seine Original-CD den Geist aufgibt, auf eine "Sicherheitskopie" zurückgreifen kann:

Die Erstellung einer Sicherungskopie durch eine Person, die zur Benutzung des Programms berechtigt ist, darf nicht vertraglich untersagt werden, wenn sie für die Sicherung künftiger Benutzung erforderlich ist.

Dies bedeutet aber, dass Sicherheitskopien nicht in jedem Fall angefertigt werden dürfen. Also zum Beispiel dann nicht, wenn der Publisher Alternativen anbietet, in dem er kostenlos Ersatz-CDs oder einen kostenlosen Download des Spiels anbietet[1].

  • Sicherheitskopien sind erlaubt, wenn es keine kostenlosen Alternativen gibt.

Privatkopie

Anders, als es die Industrie einem weismachen will, dürfen CDs mit Musik oder Filmen legal kopiert und an Freunde bzw. Verwandte verschenkt werden.

Zulässig sind einzelne Vervielfältigungen eines Werkes durch eine natürliche Person zum privaten Gebrauch auf beliebigen Trägern, sofern sie weder unmittelbar noch mittelbar Erwerbszwecken dienen, soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird.

Dies ist für die Rechteinhaber auch kein so großes Ärgernis, weil diese für Privatkopien pauschal entschädigt werden. Derjenige, der Computer, CDs, DVDs, Drucker, Festplatten oder sonstige Hardware kauft, die Kopien herstellen oder beinhalten kann, bezahlt mit dem Kaufpreis automatisch eine Geräte- bzw. Leermedienabgabe, die den Rechteinhabern zu Gute kommt.

Ein kleiner Überblick, was man bei dem Kauf von Hardware für Urheberabgaben zahlt[2]:

  • DVD-Brenner: 9,21 Euro.
  • CD-Brenner: 7,50 Euro.
  • Kopierer/Scanner: Zwischen 10,23 und 613,56 Euro.
  • USB-Stick (Mehr als 4 GiByte) 1,56 Euro.
  • DVD-Rohling (4,70 Gigabyte): 0,17 Euro.

Hier gibt es - speziell bei Videospielen - jedoch zwei Probleme:

  • Privatkopien sind nur dann gestattet, wenn zu deren Anfertigung kein Kopierschutz umgangen wird. Es dürfen also nur nicht kopiergeschützte Medien kopiert werden
  • Privatkopien sind u.a. bei Filmen und Musik, aber nicht bei Software gestattet.

Also, um das Ergebnis abzukürzen:

  • Privatkopien von Software sind nicht erlaubt.

Unerlaubte Kopie

Unerlaubte Kopien werden dabei von der Industrie gerne als „Raubkopien“ oder als „Diebstahl“ bezeichnet, obwohl dies natürlich Unsinn ist: Durchs Kopieren wird schließlich niemanden etwas weg genommen und Gewalt gegen einen Menschen - wie es für einen Raub notwenig wäre - wird ebenfalls nicht angedroht oder ausgeübt. Unerlaubtes Kopieren stellt schlicht eine Verletzung des Urheberrechts dar, da nach dem Urhebergesetz Kopien allein mit Zustimmung des Urhebers angefertigt werden dürfen:

Der Rechtsinhaber hat das ausschließliche Recht, folgende Handlungen vorzunehmen oder zu gestatten: […] die dauerhafte oder vorübergehende Vervielfältigung, ganz oder teilweise, eines Computerprogramms mit jedem Mittel und in jeder Form.

Bei Verstößen drohen auch Konsequenzen:

Wer in anderen als den gesetzlich zugelassenen Fällen ohne Einwilligung des Berechtigten ein Werk oder eine Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes vervielfältigt, verbreitet oder öffentlich wiedergibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

Hierbei stellt sich auch eine weitere Aussage der Industrie als Lüge heraus: „Raubkopierer“ seien Verbrecher. Nach § 12 StGB sind Verbrechen […] rechtswidrige Taten, die im Mindestmaß mit Freiheitsstrafe von einem Jahr oder darüber bedroht sind. Da bei der rechtswidrigen Vervielfältigung kein Mindestmaß einer Freiheitsstrafe vorgesehen ist, kann es sich hier nicht um ein Verbrechen, sondern nur um ein Vergehen handeln. An der Unzulässigkeit von Kopien, die weder Privat- noch Sicherheitskopien sind, ändert das aber natürlich nichts:

  • Kopien von Videospielen dürfen – außer unter Umständen in Form einer Sicherheitskopie – nicht angefertigt werden.

Quellen

  1. Fränkel, Harald, Was dürfen Käufer – und was nicht? - GameStar v. 04.07.2010, S. 2. 
  2. Djordjevic, Valie, Verwertungsgesellschaften und Pauschalvergütung, bpb v. 14.11.2007.