Darf ich ein von mir gekauften Spiel in der Öffentlichkeit präsentieren oder per Live-Stream übertragen?

Hierbei macht es keinen Unterschied, ob ein "vollerwertiges" Videospiel oder ein Client erworben wurde.

Vollwertiges Videospiel

Nein, ein Spiel öffentlich zu spielen oder per Stream der Öffentlichkeit zugänglich zumachen ist gegen den Willen des Publishers nicht gestattet.

Client

Nein, ein Spiel öffentlich zu spielen oder per Stream der Öffentlichkeit zugänglich zumachen ist gegen den Willen des Publishers nicht gestattet.

Speziell vor dem Hintergrund, dass Videospiele auch hierzulande zunehmend wettbewerbsmäßig gespielt haben, ist es nicht unüblich die Begegnungen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So werden beispielsweise nicht nur beim "Intel Friday Night Game" Turniere vor Publikum ausgetragen, sondern zugleich auch per Live-Stream für die Zuhausegebliebenen gesendet. Sogar in einigen Pubs kann mittlerweile nicht nur Fußball, sondern auch e-Sport per Beamer verfolgt werden.

Auch wenn dies sicherlich als eine Bereichung der Videospielkultur angesehen werden kann, ergibt sich hier ein kleines rechtlichen Problem. Denn nach dem Urhebergesetz steht dem jeweiligen Rechteinhaber die Entscheidung darüber zu, ob das Werk öffentlich wiedergegeben werden darf:

Der Urheber hat ferner das ausschließliche Recht, sein Werk in unkörperlicher Form öffentlich wiederzugeben (Recht der öffentlichen Wiedergabe). Das Recht der öffentlichen Wiedergabe umfasst insbesondere […] das […] Vorführungsrecht (§ 19), […] das Senderecht (§ 20) […].

Das "Webcasting" bzw. Live-Streams unterfallen dem Senderecht (Dustmann, in: Fromm/Nordemann, Kommentar zum Urheberrecht, § 19a Rn. 25.), so dass hier die Zustimmung des Rechteinhabers eingeholt werden müsste - gegebenenfalls für eine entsprechende Lizenzgebühr. Und das nicht nur bei Großveranstaltungen wie dem IFNG, sondern bei jedem Live-Stream, der das Spielen eines Videospiels zum Inhalt hat.

Für das Vorführungsrecht gilt dasselbe: Sobald das Spielen eines Videospiels einer Öffentlichkeit präsentiert wird, wäre die Zustimmung des Rechteinhabers einzuholen. Dabei genügt es prinzipiell schon, wenn das Spiel an einem Ort (Auch Privaträumen) zwei oder mehr Personen gezeigt wird, mit denen man nicht wahnsinnig viel zu tun hat [1].

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Öffentlichkeit beim E-Sport: 2011 IEM V World Championship CeBIT

Bei den bekannten Ligen bemühen sich die Rechteinhaber auch darum ihre Rechte durchzusetzen, was sich unter anderem 2011 beim Streit zwischen der (süd-) koreanischen KeSPA und Blizzard zeigte. Hierzu berichtete fragster:

Wie die koreanische Seite fomos.kr berichtet, stehen die beiden Parteien kurz vor einer Einigung. So soll ein Lizenzvertrag geschlossen werden, der es den beiden Ligen erlaubt, offiziell wieder Starcraft-Matches aus- und übertragen zu dürfen. Dafür werden nicht nur die offiziellen Blizzard-Logos eingebaut, sondern zudem eine nicht näher bezifferte Lizenzgebühr an Blizzard überwiesen. In Europa und in den USA hat Blizzard bereits ähnliche Regelungen mit bekannten Ligen wie der ESL oder der MLG getroffen.

Hinsichtlich des Webcastings ist aber zumindest der Entwickler von "Starcraft 2" nachsichtig. Obwohl nach der im Rahmen einer Lizenz eingeräumten Zustimmung Blizzards "die Verwendung von Blizzardinhalten ausschließlich nichtkommerziellen Zwecken vorbehalten bleibt", erlaubt Blizzard Streams auch über kostenpflichtige "Premiumaccounts" zugänglich zu machen, "solange den Zuschauern ebenfalls über eine freie Methode Zugang ermöglicht wird". In diesen Fällen kann also auf die Zustimmung des Rechteinhabers zurückgegriffen werden, so dass keine Urheberrechtsverletzung vorliegt.

Es ist somit der Fall, dass:

  • Öffentliche Wiedergaben von Videospielen nur mit Zustimmung des Rechteinhabers zulässig sind.

Quellen

  1. Dreier, in: Dreier/Schulze, Kommentar zum Urheberrecht, § 15 Rn. 40.